Rümpel
online
Hinweis: Dies ist keine offizielle Site der Gemeinde Rümpel, sondern ein privat betriebenes Angebot!
Gemeinde > Aus der Gemeinde > 600 Jahre Rohlfshagen: Hier machte schon der Zar Ferien
Haben Sie Fragen?
Schreiben Sie uns.
Mail
Copyright © 2003 A.Z.
Letzte Änderung: 09.06.2003
 
Notepad
 
Lübecker Nachrichten
 
600 Jahre Rohlfshagen: Hier machte schon der Zar Ferien
 
Rümpel, 21. Mai 2002
 
 
Rohlfshagen - Hier hat Peter III., Zar des mächtigen russischen Reiches, als Kind manche Ferien verbracht. Wer kann das schon von sich sagen? Die Rohlfshagener könne es, wie sie überhaupt auf eine wechselvolle 600-jährige Geschichte blicken. Am 25. und 26. Mai wird das Jubiläum gnaz groß gefeiert.

Nachweislich erstmals erwähnt wird das einst selbstständige Rohlfshagen, das heute ein Ortsteil der Gemeinde Rümpel ist, im Jahr 1402 als Roloueshagene im Lübecker Urkundenbuch. Der Name Rohlfshagen kann entweder gedeutet werden als Siedlungsfläche eines Rolfs oder Rudolfs oder aber als Rodungserbe in einem Siedlungsbereich. Mit einem Fest wollen die heutigen Einwohner das 600-jährige Bestehen am 25. Mai und 26. Mai feiern (das detaillierte Programm veröffentlichen die LN kommende Woche). Ausrichter der Feier ist die Freiwillige Feuerwehr Rohlfshagen. Sie wird nämlich gleichzeitig 60 Jahre (siehe Bericht unten). Deshalb wird sozusagen ein Doppeljubiläum begangen.

Tatsächlich ist Rohlfshagen sehr viel älter, wie Dirk Ostermann zu berichten weiß. Der 38-jährige hat es übernommen, sich in die Geschichte seines Dorfes einzuarbeiten und für das Fest-Wochenende eine historische Fotoausstellung zu erarbeiten. Für beides war seine Haupt-Informationsquelle die Chronik für die Gesamtgemeinde Rümpel - verfasst von seinem 1988 verstorbenen Vater.

Rohlfshagens Ursprünge entstanden bereits im 13. Jahrhundert. Die Rodungssiedler kamen wahrscheinlich aus Niedersachsen, aber auch von Rümpeler Seite. Sie lebten als freie Bauern, mussten aber Pacht an den Grundherrn zahlen. 1524 kam die Unfreiheit, und wer bis 1543 deshalb nicht geflohen war - das Land der Geflüchteten wurde dem Gut zugeschlagen - der wurde bis 1548 zu Zwangsarbeit bei Amtmann Moritz von Rantzau verpflichtet.1765 kam für die Rohlfshagener eine überraschende Wende. Weil die Rentenkammer dem verschuldeten Gutspächter Thießen die Pacht entziehen wollte, entschied kein Geringerer als Zar Paul Petrowitsch, Peter III., dass Rohlfshagen in 13 Erbpachtstellen aufgeteilt und versteigert werden sollte. Ein Rest-Gut blieb erhalten. Die bäuerliche Zukunft war gesichert, und eine gutsunabhängige Gemeinde konnte sich entwickeln. Zar Peter III. war der Sohn von Landesherr Herzog Friedrich Karl und Zarentochter Anna Petrovna, die 1728 starb. Nachdem auch der Vater gestorben war - er erlitt unter den heute 400 Jahre alten Eiben des Gutshofs Dreckmann 1739 einen Schlaganfall - kam der junge Peter als "Ferienjunge" weiter nach Rohlfshagen.

Diese Geschichte ist kaum bekannt. Auch dass Richard Kuöhl, bedeutender Bildhauer seiner Zeit, 1931 die "Rohlfshagener Butz" kaufte und hier den Oldesloer Gänselieselbrunnen schuf, weiß längst nicht jeder. Über einen historischen Aspekt aber haben viele Menschen einmal etwas erfahren, über die "Rohlfshagener Kupfermühle", denn die einst mit Wasserkraft betriebene Kupfermühle ist heutzutage ein angesehenes Ausflugslokal. Familie Franck ist nicht nur seit 1807 Eigentümerin der "Kupfermühle" (das Restaurant entstand 1863), auch zurück bis zum Bau der einst Kupfer verarbeitenden Mühle vor gut 500 Jahren soll stets ein Franck für den Betrieb zuständig gewesen sein. Radwanderer pausieren auch gern im Ortskern, im wieder belebten Gasthof Schacht.

Von 1910 bis 1931 besaß Rohlfshagen einen Schützenverein. Das traditionelle Vogelschießen war und ist der Höhepunkt des Jahres im Dorfleben. 1977 gaben die Rohlfshagener, die sich der Diskussion Anfang der 70er-Jahre noch entzogen hatten, dem Wunsch von Kreis und Land nach größeren, finanzkräftigeren Gemeinden nach: Schweren Herzens ging man mit Rümpel (wozu bereits Höltenklinken gehörte) zusammen.

Von Brigitte Judex-Wenzel, LN

ln-online/lokales vom 21.05.2002 08:54