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Lübecker Nachrichten
 
Afghanische Familie sucht verzweifelt Wohnung
 
Rümpel, 21. September 2002
 
 
Bad Oldesloe - Familie Omid aus Afghanistan hatte mit ihrer Wohnungssuche in Bad Oldesloe bislang kein Glück. Lehrerin Marion Burmeister will helfen - und Vorurteile abbauen.

Der neunjährige und der sechsjährige Sohn kommen mit Papa begeistert vom Fußball zurück nach Bad Oldesloe. Die F-Jugend des Rümpeler SV, in der der Jüngste der Familie kickt, hatte ein Punktspiel. "Wir haben 13:0 gewonnen", erzählt der Junior der Familie und strahlt bis über beide Ohren.

So weit könnte sich die Szene in jedem deutschen Haushalt abspielen. Ansonsten ist in der Familie von Enajatulla und Essmattulla alles anders als bei ihren Teamkollegen. Die größte Belastung der Asylbewerberfamilie Omid aus Afghanistan ist die ständige Angst, zurück geschickt zu werden. Das akutere Problem: Mit vier Kindern leben Mohebulla und Nafisa Omid seit August auf 56 Quadratmetern in einer Obdachlosen-Baracke der Stadt an der Turmstraße.

Ein Zustand, den Marion Burmeister, Lehrerin an der Masurenwegschule, auf Dauer unzumutbar findet. Im Mini-Wohnzimmer breitet nachts der 13 Jahre alte Ehssan eine Matratze auf dem Fußboden aus. Seine drei Geschwister schlafen gemeinsam in einem weiteren Raum: Massuda, das 15 Jahre alte einzige Mädchen der Familie, auf einem Hochbett, Essmattulla und Enajatulla auf dem Boden. Nicht eines der Kinder hat einen Schreibtisch. Das Ende der als Übergangslösung gedachten Unterbringung ist noch nicht in Sicht. Das will Marion Burmeister ändern.

Die Pädagogin bekam den ältesten Sohn 1996 in die zweite Klasse der Masurenweg-Schule. Sie lernte Mutter Nafisa und deren Geschichte kennen. Die heute 39-jährige Afghanin war mit ihren vier Kindern aus der Hauptstadt Kabul geflohen, nachdem ihr Mann aus politischen Gründen inhaftiert worden war. Nafisa Omid hatte im damaligen Bürgerkriegs-Szenario Angst vor Sippenhaft. Fundamentalistische Moslems, selbst in der Familie ihres Mannes, hatten zudem seit längerem kritisiert, dass sie arbeiten ging und sich unverschleiert bewegte. Familie Omid lebt ihren muslimischen Glaubens auf sehr moderne Weise. Ein Jahr später kam auch der Vater nach Rümpel. Gefoltert und den Tod vor Augen, hatte er einen Fluchtversuch gewagt. Wie seine Familie rettete er sich nach Pakistan und floh mit einem Ticket nach Deutschland, für dessen Kauf der Bruder sein ganzes Land verkaufte.

Die Bewertung dieser Berichte der Omids obliegt den für Asylbewerber zuständigen Behörden. Derzeit haben die Familienmitglieder unterschiedliche Aufenthaltsbefugnisse, die alle paar Monate neu überprüft werden. Für Marion Burmeister ist vorrangig, dass die Familie seit sechs Jahren hier lebt und sich nach so langer Zeit vor allem die Kinder heimisch fühlen. Die Jüngsten kennen nichts anderes. Der 13-jährige Ehssan verbindet Afghanistan mit Stockschlägen in der Schule und Toten in den Straßen. "Wir Kinder wollen nicht zurück", betont er. Aber die Kinder würden bei den Anhörungen nie befragt. Allen gut Deutsch sprechenden Geschwistern bescheinigt die Lehrerin, intelligent und erfolgreich in der Schule zu sein.

Marion Burmeister hofft auf Verständnis eines Vermieters. Aus einer 90 Quadratmeter großen Wohnung in Rümpel mussten Omids ausziehen, weil der Kreis die Unterkunft aufgegeben hat. Kurzfristig nahm die Stadt Bad Oldesloe die sechs Personen in die Obdachlosenunterkunft auf. Intensive Wohnungssuche der Familie blieb bislang trotz Hilfe der Lehrerin ohne Erfolg. Marion Burmeister hat den Eindruck, dass Vermieter oft Vorurteile gegenüber Asylbewerbern, Sozialhilfeempfängern und Familien mit mehreren Kindern haben. Einmal hätte es geklappt, da überstieg die Miete den gesetzlichen Höchstsatz. "Die ganze Familie ist ordentlich, sauber und zuverlässig", wirbt die Pädagogin um Hilfe einer Gesellschaft oder eines Privatvermieters. Mohebulla Omid unterstreicht, dass er jetzt eine Arbeitsgenehmigung hat und Arbeit sucht.

Birgit Klassen, Sachbereichsleiterin Soziales bei der Stadt Bad Oldesloe, kennt die Probleme der Wohnungssuche für Sozialhilfeempfänger. Einige Vermieter sähen das Sozialamt als zuverlässigen Zahler, andere befürchteten einen schnellen Wiederauszug, etwa wenn Asylbewerber abgeschoben werden. Die Stadt hat alle suchenden Familien im Auge. "Manchmal rufen Hausbesitzer an und sagen, dass sie Wohnraum frei haben", erklärt Birgit Klassen. In der Stadt ließen sich allerdings schlechter große Wohnungen finden als im Dorf.

"Wer einmal in der Stadt ist, will erfahrungsgemäß nicht wieder aufs Dorf", weiß jedoch Oldesloe-Land-Amtsvorsteher Joachim Stapelfeldt. Die amtseigene Hoherdammer Mühle in Grabau werde von Obdachlosen und Aussiedlern bewohnt. Die Aussiedler-Quote habe das Amt derzeit übererfüllt. Falls dem Amt vom Kreis neue Asylbewerber zugewiesen würden, seien die Bürgermeister gefordert, in ihren Gemeinden Wohnraum zu suchen.

Von Brigitte Judex-Wenzel, LN

ln-online/lokales vom 21.09.2002 08:24