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Lübecker Nachrichten
 
Einwohner kämpfen für ihre Kastanienbäume
 
Rümpel, 06. September 2002
 
 
Höltenklinken - Der Kampfeswille besiegte die Wut der Initiative Höltenklinken, die die alten Kastanien erhalten will: Auch wenn die Gemeindevertreter die Einladung zu einem Gespräch ignorierten, fordert die Gruppe unbeirrt: Sicherheit ja, aber sanieren statt fällen.

Keine Frage: Die Bürgerinitiative, die die alten Kastanien im Ortskern von Höltenklinken vor der Kettensäge retten will und stattdessen eine Baumsanierung fordert wird keine Ruhe geben. Sie fordert jetzt einen Ortstermin mit Vertretern von Gemeinde und Kreis-Umweltbehörde. Ziel unter dem Aspekt der Sicherheit für Mensch und Verkehr sowie der Erhaltung des Ortsbildes: so viele Veteranen wie möglich erhalten.

Große Hoffnung setzt die Gruppe darauf, dass den Gemeindevertretern die Meinung des Baum-Experten Henning Müller zu denken gibt und sie die einstimmig beschlossene Baumfällaktion noch einmal überdenken. Der von der Initiative hinzugezogene Sachverständige aus Großhansdorf unterstrich bei einem Diskussionsabend, dass er von den Kastanien einen ganz anderen Eindruck gewonnen habe als sein Kollege von der Lübecker Firma Jolitz, die von der Gemeinde mit einem Gutachten beauftragt worden war. Wie Bürgermeister Peter Vogt hervor hob, riet der Gemeinde-Gutachter zur vorzeitigen Fällung von 13 Bäumen, weil eine andernfalls notwendige aufwändige Sanierung das Fällen nur einige Jahre hinaus zögern und die Bruchgefahr nicht beseitigen würde. Der Initiativen-Experte hingegen gibt den Baumriesen bei sanftem Schnitt etliche weitere Lebensjahre: "Bei vorsichtigem Schnitt sind die Kastanien sanierungsfähig." Eine einzige ausgenommen. Für ein Gutachten, das die Initiative vielleicht in Auftrag gibt, steht Müller nicht zur Verfügung.

Dass lediglich Bürgermeister Peter Vogt der Einladung zu dem Diskussionsabend gefolgt war, jedoch weder ein Gemeindevertreter noch ein Vertreter der Kreis-Umweltbehörde, empörte die Initiative. Einmal wieder werde die Demokratie in der Gemeinde Rümpel mit Füßen getreten, prangert Peter Naumann an. Wieder einmal werde mit den Einwohnern nicht gesprochen. Eine "Handstreich-Entscheidung" ohne jede Diskussion warf Regina Willhöft der Gemeindevertretung vor. Bürgermeister Vogt wies dies zurück. Das Gutachten sei vorher in den Fraktionen beraten worden. Befremdlich nannte Dietrich Krakow den Umstand, dass der Gemeinde-Gutachter in einer Gartenbaufirma arbeitet. "Die Arbeiten werden nach einer Ausschreibung an den günstigsten Bieter vergeben", verbat sich Peter Vogt jeglichen Verdacht.

Ulrike Kraus von der Initiative kündigte einen Antrag auf Neubehandlung des Themas in der Vertretung an. Ihre Forderung: Die Vertretung soll das Fällen zurückhalten, sich den neuen Argumenten stellen und neu abstimmen. Nur, wenn er eine Chance für einen Umschwung sieht, will Peter Vogt die Kastanien erneut zum Thema machen.

Christiane Klarck stand mit ihrer Meinung, man wäre mit Fällung der ihrer Ansicht nach etwa 200 Jahre alten Kastanien und mit Neuanpflanzungen besser dran, allein. Anke Dorl vom BUND glaubte, dass die Bäume, die ungepflegt seien, bei Sanierung, wie sie auch die Stadt Bad Oldesloe betreibe, noch 20 Jahre leben könnten. Das wäre ökologisch und zugleich ökonomisch. Den Bedenken des Bürgermeisters, wenn ein Ast auf einen Menschen falle, müsse er haften, entgegnete sie, er sei aus der Haftung nicht nur bei einer Fällaktion heraus, sondern auch, wenn ein Gutachter - vielleicht in einer zweiten Expertise - sage, bei bestimmter Sanierungsweise sei die Sicherheit gewährleistet.

Von Brigitte Judex-Wenzel, LN

ln-online/lokales vom 06.09.2002 08:07